Empreintes de pinceau n° 50 répétées à intervalles réguliers de 30 cm, 1977
Informationen zum Kunstwerk
- Übersetzter TitelIn regelmäßigen Abständen von 30 cm wiederholte Abdrücke des Pinsels Nr. 50
- MaterialAcryl auf Leinwand
- Maße151 x 150,6 x 2,9 cm
- Erwerbsjahr1988
- Inventarnummer15613
- AusgestelltAktuell ausgestellt
- Copyright© Niele Toroni. VG Bild-Kunst, Bonn [2026]. Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Museum Brandhorst, München
Mehr über das Werk
Seit 1966 tragen Niele Toronis Arbeiten denselben Titel: „In regelmäßigen Abständen von 30 cm wiederholte Abdrücke des Pinsels Nr. 50”. Der Titel definiert die Methode: Abdrücke eines 50-mm-Pinsels, auf die jeweilige Oberfläche gesetzt - immer gleich, immer im festgelegten Abstand. So entstehen potenziell unendliche Bilder, und alles kann zum Untergrund werden: (Lein-)Wände, Böden oder Fenster. Damit gilt Toroni als Pionier der ortsspezifischen Kunst. Die Methode lasst keine Abweichungen zu und entspricht Ideen, die dies- und jenseits des Atlantiks kursierten. Der Künstler Sol LeWitt (1928-2007) sprach damals von der „Idee, die zur Maschine wird, die die Kunst hervorbringt”. Die Standardisierung des Schaffensprozesses sollte das Subjektive aus dem Kunstwerk verbannen. Toronis Verzicht auf Persönliches ging so weit, dass auf der Einladungskarte zu seiner ersten Einzelausstellung nicht einmal sein Name stand - eingeladen wurde schlicht, „In regelmäßigen Abständen von 30 cm wiederholte Abdrücke des Pinsels Nr. 50” zu besichtigen. Zwar überschneidet sich seine Kritik mit der seiner Zeitgenoss:innen, doch anders als viele, die die Malerei gänzlich verwarfen, versteht Toroni seine Praxis als Beitrag zu ihrer radikalen Neubestimmung: Seine Arbeiten markieren den Übergang von der Malerei als Ausdrucksträger hin zu einem prozesshaften Verständnis von Bild, Raum und Betrachter:in.