Jonathan Penca: field plots
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Jonathan Pencas erstmals präsentierter Animationsfilm „field plots“ (2023) bewegt sich zwischen Science-Fiction- und Gothic-Horror-Erzählung. Er entwirft eine utopische Perspektive auf die archaische Technologie der Gartenarbeit – verortet im endlosen (Welt-)Raum der digitalen Fläche. Die eigens für das Museum Brandhorst entstandene Neuproduktion steht in Dialog mit den Themen und Werken der Ausstellung „Future Bodies from a Recent Past – Skulptur, Technologie, Körper seit den 1950er-Jahren“.
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Untergeschoss
Franziska Linhardt
In seinen Werken verknüpft Jonathan Penca (*1988) Performance, Sound, Kostümdesign, Bildhauerei und Malerei und widmet sich zentralen gegenwärtigen Fragen rund um queere Identitäten, Science-Fiction, Naturwissenschaften und Popkultur.
Seine neu produzierte Videoarbeit „field plots“ (2023) durchkreuzt die klassische Vorstellung des Animationsfilms mit Versuchsanordnungen am Übergang zwischen digitalem und analogem Raum. In einem kulissenhaften Set koexistieren computergenerierte Wesen und Mischformen aus Nonnengewändern, Werkzeugen und Architekturen aus Papiermaché, die durch 3-D-Scans digitalisiert wurden.
Im Spiel mit Größenverhältnissen, dem Verqueren von Innen und Außen räumlicher Gefüge und den Möglichkeiten der digitalen Übersetzung von skulpturalen oder materiellen Qualitäten scheint eine Erzählstruktur auf. Inspiriert ist „field plots“ durch eine Nebenfigur in Rumer Goddens Roman „Black Narcissus“ (1939) und dem gleichnamigen Film (1947), die sich um ein entlegenes Nonnenkloster drehen. In der Entfremdung des Ortes pflanzt Schwester Philippa anstelle des geplanten Gemüses unterschiedlichste Blumenarten an.
Dabei spielt für Penca nicht nur die Frage nach Berufung und Machtverhältnissen an Orten der (Zusammen-)Arbeit eine Rolle. Ausgehend von einem utopischen Idealbild des Klostergartens widmet sich „field plots“ vor allem der archaischen Technik der Agrarkultur und der sich stetig entwickelnden technologischen Erweiterung oder Ersetzbarkeit des menschlichen Körpers in der Landwirtschaft und beim Gartenbau. Zwischen Science-Fiction- und Gothic-Horror-Erzählung führt der Animationsfilm die Lebensnotwendigkeit des Nahrungsanbaus durch die unhinterfragte Wiederholung des Akts des Gärtnerns ad absurdum: Handlungs- und Bewegungsabläufe des Hackens, Säens und Erntens werden unter Einsatz verschiedener Werkzeuge immer wieder aufgeführt, auch wenn sie im endlosen (Welt-)Raum der digitalen Fläche nicht mehr fruchten.
Regie: Jonathan Penca
Animation und Programmierung: Jakob Penca
Ton: Jakob & Jonathan Penca